Sinnestäuschung
Home

 

 

 

 

Sinnestäuschung

Ich habe Schnupfen. Erst wenn man etwas sonst so Selbstverständliches wie das Riechen, plötzlich nicht mehr kann, merkt man doch, was einem fehlt. Alles riecht und schmeckt gleich. Gott sei Dank ist der Schnupfen ja bald vorüber (ohne Medikamente zwei Wochen, mit vierzehn Tage). Bis dahin kann ich ja träumen von schönen Gerüchen.

Was rieche ich am liebsten? Die Erde nach einem Gewitterregen. Meinen Liebsten daraufhin befragt, was er denn am liebsten riecht, antwortet er: "Bratenduft, in einem derart fortgeschrittenen Stadium, dass es sich nur noch um Minuten handeln kann, bis das Essen fertig ist." Meinen Sohn frage ich erst gar nicht, denn ich kenne die Antwort. Es müssen muffige Sportsocken sein, denn die hütet er in den hintersten Winkeln seines Zimmers wie einen kostbaren Schatz. Und was riecht mein Hund am liebsten? Klar, seine Freundin Smartie.

Ist es so, dass Frauen, Männer und Kinder die Welt mit unterschiedlichen Sinnen wahrnehmen? Das heißt, die gleichen Sinne haben sie ja, aber im Gehirn scheinen auf die gleichen Reize unterschiedliche Dinge anzukommen.

Nehmen wir beispielsweise unseren Gehörsinn: Mein schönstes Geräusch ist Vogelgezwitscher, vielleicht noch Meeresrauschen. Seins: Eine Frau die sagt: "Essen ist fertig." Und das schönste Geräusch meines Sohnes? Die Pausenklingel in der Schule. Um die Familie komplett darzustellen, sei noch erwähnt, dass das liebste Geräusch für den Hund ist, wenn Herrchen oder Frauchen sagt: "Ja, du darfst mit."

Kommen wir zum Sehen. Der schönste Anblick für eine Frau ist, nein, es ist nicht der Brilli, wie viele Männer vielleicht meinen, es ist der Anblick eines fix und fertig gebügelten Stapels Wäsche bei gleichzeitig leeren Wäschekörben und –Leinen. Das, ich gebe es zu, habe zumindest ich noch nicht erleben dürfen. Der schönste Anblick für ihn? Nun, ich schätze mal, je nach Veranlagung ist das wahlweise die Fußballergebnisse des vergangenen Wochenendes oder die Aufklapp-Fotografie im Playboy. Für Kinder ist es unumstritten der Weihnachtsbaum am Heiligen Abend, auf dem endlich die Kerzen brennen, und unter dem endlich die Geschenke liegen. Und für den Hund: Die geöffnete Autotür des am Waldrand geparkten Autos.

Außer den drei genannten gibt es natürlich noch den Geschmackssinn und den Tastsinn. Da man aber bekanntlich über Geschmack nicht streiten sollte, glaube ich auch nicht, dass es dabei besondere Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Die Geschmäcker sind wohl eher individuell, besonders, wenn man, wie eben geschehen, auch die Hunde mit einbezieht. Und über die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Tastsinns mich hier auszulassen, verbietet mir meine gute Erziehung.

Als Fazit dieser Überlegungen bleibt die Erkenntnis: Männer sind anders. Frauen auch. Oder täusche ich mich da?

 

 

Aus "Wahnsinn, Waschmaschinen, Weicheier" - zu bestellen bei www.amazon.de oder www.libri.de   

Mehr über mein erstes "Werk" Augenblick mal...: www.ritas-augenblickmal.de 

Hier geht's zu meiner persönlichen Homepage